13.12.2000

Dieser Tag veränderte unser Leben. Am 13.12. um 21.00 Uhr

klingelte es an unserer Tür, eine junge Frau stand davor (eine Freundin von Nico) und sagte

unser Sohn sei verunglückt und es sähe gar nicht gut aus.

Im hiesigen Krankenhaus sagte man mir, Nico sei nach Bad B. geflogen

worden und ich solle dort anrufen.

An der Rezeption musste ich mir die Nummer geben lassen, um dann von zu Hause aus

anzurufen. Das alles mit dieser wahnsinnigen Angst im Bauch, es könnte etwas ganz schlimmes sein .Die Ärztin in Bad

B. sagte mir dann knallhart am Telefon wortwörtlich „der ist tot“ .Es sei ihm nicht mehr zu helfen gewesen, die

Verletzungen

waren zu schwer. Und wenn er überlebt hätte wäre er ein Pflegefall, sie fragte mich dann

noch ob jemand bei mir sei, und das war es.

Der Schmerz war unbeschreiblich, nur wer auch ein Kind verloren hat weis das.

Zu keinem Zeitpunkt hatte sich die Polizei bei uns gemeldet, das Fernsehen muss vor

Ort gewesen sein, wir erfuhren nur durch die Freundin vom Unfall, deren Freund

hatte das Unfallauto gefahren. Sie war es auch die uns Nicos Habseligkeiten überbrachte.

Zum Glück waren Nicos beste Freunde gleich zur Stelle und halfen uns über die ersten

schlimmen tage hinweg. Nicos Freund Harald besprach mit dem Bestattungsinstitut die

Trauerrede, wir redeten überhaupt viel über Nico das hat uns schon sehr geholfen.

Eine Woche später die Beerdigung, ich habe sie wie in Trance erlebt, vier Freunde trugen

den Sarg, sein über alles geliebter Hund Giant lief hinterher .Es hätte so glaube ich, Nico gefallen.

Bis zum heutigen Tag kann ich nicht begreifen was passiert ist, warum er in das Auto gestiegen ist, er wusste doch dass

der Fahrer getrunken hat. Er war so ein froher, lebenslustiger, bei seinen Freunden sehr beliebter Junge.23 Jahre alt ist er

nur geworden und er fehlt uns jeden Tag mehr. Der Unglücksfahrer hat sich bei uns gemeldet, er trägt auch schwer daran,

aber das bringt uns Nico nicht wieder. Vielleicht werde ich bald so weit sein, mit ihm sprechen zu können.

Wir haben uns nicht immer gut verstanden, in letzter Zeit auch öfters gestritten, im nach hinein gesehen wegen Nichtigkeiten,

aber jetzt haben wir keine Chance mehr darüber

zu reden und das tut sehr weh.

Nicos kleine Schwester Saskia, sie war zum Zeitpunkt des Unfalls 6 Jahre alt, vermisst ihren

Bruder sehr, sie hatten ein sehr inniges Verhältnis, auch für Sebastian 19 Jahre ist es schwer.

Er hat diese Seiten erstellt, und darüber habe ich mich sehr gefreut. Eine besonders große Hilfe war und ist mir die

Selbsthilfegruppe “Verwaiste Eltern“, wir haben alle ein ähnliches Schicksal und können gemeinsam weinen und lachen.

Jedes Jahr zum Totensonntag geben wir gemeinsam eine Annonce auf, zum Gedenken an unsere Kinder. Ich kann den

Besuch einer solchen Gruppe nur empfehlen, es gibt sie ja mittlerweile in fast allen Städten.

Besonders freut uns das Nicos Freunde am Totensonntag und an seinem Geburtstag immer an ihn denken.

Das Grab ist dann immer besonders schön geschmückt, für uns ist es ein großer Trost das er nicht vergessen ist.

Jetzt müssen wir alle lernen ohne dich zu leben Nico, das ist sehr schwer und besonders immer wieder in der

Weihnachtszeit.

DEINE MUTTI